Vom Jakobsweg zum Megamarsch, oder ist es gar dasselbe?

Irgendwie, ich weiß nicht mehr wie,  bin ich letzte Woche auf den Megamarsch München gekommen. 100km in 24 Stunden entlang der Isar und des Jakobsweges von München nach Mittenwald. Nach einiger Recherche wurde meine Begeisterung immer größer, ich liebe einfach auch Herausforderungen.  Ich dachte mir auch, der portugiesische Jakobsweg mit  260km in 9 Tagen müsste doch eine gute Vorbereitung dafür sein.

Gesagt, getan. Wenn ich von etwas begeistert bin, dann muss es gleich umgesetzt werden. Sofort hatte ich ein Ticket über Ticketswap für den Megamarsch in München ergattert und einiges an Blogs und Empfehlungen dazu gelesen.

Immer wieder kam das Thema Nachtmarsch auf, weil das eines der Herausforderungen ist, die Nacht durchzulaufen.  In mir kam gleich die Idee auf, das probiere ich nun einfach mal aus. Gesagt, getan. Die beste Strecke dafür ist für mich der Ammersee, ich kenne jeden Weg durch unzählige Bike Touren und Fotographie Jagden, und es sind knapp 50 km, wiederum eine Herausforderung, soviel bin ich noch nie gelaufen, zumindest nicht am Stück. Naja, es hat auch einen Nachteil. Man muß durchlaufen, Abkürzungen gibt es nicht, das Wasser ist noch zu kalt.

Ganz unbedarft, packe ich am Samtag den 14.4.18 meinen Rucksack und marschiere um 19:30h los, nachdem ich mir meine Kohlehydrat- und Eiweißspeicher mit Lamm und Spaghetti vollgestopft habe.

Es ist etwas bewölkt, jedoch ich glaube an eine trockene Nacht. Meist sind die bewölkten Sonnenuntergänge reizvoller, ich habe schon viele erlebt und fotografiert. Für mich ist der Sonnenauf- und -untergang ein besonderer Zeitpunkt am Tag, den, wen ich ihn bewusst erleben kann, genieße. Ich wollte eigentlich zum Untergang in Stegen sein, jedoch das Feuer für den Grill hat länger gedauert, als gedacht.

So erreiche ich Stegen erst bei Dämmerung und genieße diese besondere Atmosphäre.

Ich sehe zwei Mädels mit Rucksäcken und denke mir schon, ob die etwa dasselbe vorhaben?
Nach einer kurzen Fotopause schließe ich zu Ihnen von hinten auf und sie erschrecken in der beginnenden Dämmerung. Wir kommen ins Gespräch und meine Vermutung wird bestätigt. Auch sie wollen den Ammersee mit einem Nachmarsch umrunden. Und ich dachte schon, ich bin der Erste, der auf so eine verrückte Idee kommt.
Wir unterhalten uns ein wenig, als sie jedoch mit ihren Smartphones beschäftigt sind, ziehe ich weiter. Das Tempo ist mir auch ein wenig zu langsam. Ich kann mich zwar anpassen, jedoch habe ich auch vor, um 6h in der Frühe wieder zuhause in Schondorf zu sein.

Ich kenne den Weg gut durch viele Bikefahrten und bilde mir ein, das ich jede Wurzel kenne. Meine Arroganz wird in der Dunkelheit bestraft, als ich über die erste Wurzel stolpere. So nehme ich irgendwann doch die Stirnlampe her. Immer wieder stoße ich auf Gruppen von Jugendlichen, trinkend oder rauchend.
Die reagieren meist auch überrascht auf diese nächtlichen Begegnungen, naja sie haben ja auch etwas geraucht oder getrunken, im Gegensatz zu mir, der nur eine verrückte Idee im Kopf in die Tat umsetzen will.

Jedoch so gegen 22h in Herrsching wird es ruhiger, ich komme zwar noch bei einer dröhnenden Party vorbei, doch bald danach kehrt Stille ein. Immer wieder geben mir die Lichter der anderen Seeseite Orientierung, Dießen kommt am anderen Ufer immer näher. Der Weg von Herrsching bis Fischen ist breit genug, dass ich auf das Licht verzichten kann. Am Himmel grüßen die Sterne, während im Norden noch Wolken unterwegs sind.

In Aidenried habe ich die Hälfte des Weges geschafft, ca. 25km. Es ist Mitternacht und Zeit für eine Pause. Ich finde ein einsames Feuer und genieße die Wärme und mein Mitternachtsmahl, eine Banane und ein Riegel. Ansonsten ist es schon sehr kühl geworden, so dass ich bald den Weiterweg antrete.

An der Amperbrücke treffe ich auf einen mächtig angetrunkenen Mann mit kurzen Hosen und hoffe, das er seinen Heimweg findet, ohne in die Amper zu fallen.

Zwischen Fischen und Raisting ist der Sternenhimmel phantastisch, weil hier wenig Beleuchtung ist. Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Sterne. Mein Versuch, davon ein Foto zu machen scheitert leider.

Ab Raisting gehe ich den Weg über den Parallelweg über den Erftlhof. Es wird langsam anstrengend. Ich spüre die Müdigkeit, sowohl von der Nacht, als auch von der Länge der Anstrengung.
Das kenne ich schon, da heißt es, sich immer wieder zu motivieren und anzutreiben.
Meine Motivation ist es, zwischen 5 und 6 Uhr in meinem Bett zu liegen. Das ist machbar. Es sind von Raisting noch 15km, 35 habe ich nun schon in den Beinen.
So kämpfe ich mich durch die Nacht, die Kälte macht mir immer mehr zu schaffen. Ich lege noch 1-2 Pausen ein, um mich zu stärken.
Reichlich abgekämpft erreiche ich um 5h mein Ziel, mein Bett. Ich bin nicht einmal fähig, meine Klamotten auszuziehen. In 9h habe ich die fast 50km geschafft, aber es ist mir ein Rätsel, wie das mit 100km gehen soll.

Am nächsten Tag komme ich kaum aus dem Bett, ich fühle mich wie nach einem Marathonlauf. Erst ein Bad am nächsten Abend und ein warmes Essen bringen in mir die Lebensgeister wieder zurück.

Irgendwie bin ich doch stolz auf mich, nach unzähligen Umrundungen mit dem Bike, die Tour auch mal zu Fuß geschafft zu haben und sogar bei Nacht.
Fazit: Es gibt noch was zu tun für die 100km, aber alles ist machbar, wenn ich mir es vorstellen kann.  Der Jakobsweg ist wie ein Virus, wenn man einmal angesteckt wird, bekommt man ihn nicht mehr los.

Irgendwann folge ich nur noch dem Lichtkegel meiner Lampe. Immer Schritt für Schritt, immer nur der nächste Schritt ist wichtig !

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.